Wer in der Herzmedizin arbeitet, trägt im Klinikalltag und in der Praxis enorme Verantwortung – und wird dafür auch überdurchschnittlich gut vergütet. Als ausgebildete Fachärztin oder ausgebildeter Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie verdienen Sie in Deutschland durchschnittlich zwischen 7.550 € und 11.500 € im Monat. Wie sich das Gehalt als Kardiologe genau zusammensetzt, zeigen die aktuellen Tarifverträge für Kliniken, die realen Ertragszahlen für eigene Praxen und der Blick auf jene Spezialisierungen, die den Verdienst spürbar nach oben treiben.
Alle genannten Summen in diesem Artikel verstehen sich, sofern nicht ausdrücklich als Jahreswert gekennzeichnet, als Bruttomonatsgehälter bei einer Vollzeitbeschäftigung.
Auf einen Blick: Kardiologe Gehalt und Prognose für 2026
In der Kardiologie hängt Ihr Einkommen direkt von Ihrer Karrierestufe ab. Während Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung mit rund 5.700 € starten, liegt das mittlere Entgelt (Median) laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit für fertige Fachärztinnen und Fachärzte bereits jenseits der Beitragsbemessungsgrenze von 8.050 €. Selbst das untere Quartil beginnt erst bei 7.249 €.
Karrierestufe | Monatsgehalt | Jahresgehalt |
|---|
Assistenzärztin / Assistenzarzt | 5.722 – 7.436 € | 68.665 – 89.233 € |
Fachärztin / Facharzt | 7.552 – 9.699 € | 90.626 – 116.387 € |
Oberärztin / Oberarzt | 9.460 – 11.265 € | 113.515 – 135.184 € |
Leitende Oberärztin / Leitender Oberarzt | 11.128 – 12.712 € | 133.530 – 152.539 € |
Chefärztin / Chefarzt | 15.000 – 25.000+ € | 180.000 – 300.000+ € |
Quelle: Tarifverträge TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL des Marburger Bundes (Grundgehälter ohne Dienste, Stand 2026) sowie marktübliche außertarifliche Werte für Chefarztpositionen.
Prognose und Tarifentwicklung für 2026: Für angestellte Kardiologinnen und Kardiologen im Krankenhaus bringt das Jahr 2026 feste Tarifsteigerungen. An den Universitätskliniken (TV-Ärzte/TdL) greift ab April 2026 ein Plus von 2,95 Prozent, bevor die Gehälter im September 2027 um weitere 2,45 Prozent klettern. An den kommunalen Kliniken (TV-Ärzte/VKA) erhöht sich das Tabellenentgelt ab Juni 2026 um 2,0 Prozent. Da kardiologische Abteilungen durch ein hohes Aufkommen an Notfällen wie akuten Koronarsyndromen geprägt sind, kommen zum Grundgehalt regelmäßig lukrative Bereitschaftsdienst- und Rufbereitschaftszuschläge hinzu, die das reale monatliche Einkommen oft um 1.000 € bis 2.500 € anheben.
Faktoren, die das Gehalt in der Kardiologie beeinflussen
Ob Sie in der stationären Maximalversorgung im Herzkatheterlabor stehen oder in einer ambulanten Praxis Schrittmacherkontrollen und Echokardiografien durchführen: Ihr Gehalt als Kardiologin oder Kardiologe wird von vier großen Stellschrauben bestimmt.
1. Berufserfahrung und Karrierestufe
In den Kliniken gibt der Tarifvertrag den Takt vor. Der Weg zum Facharzttitel für Innere Medizin und Kardiologie dauert nach der Approbation mindestens sechs Jahre (72 Monate). Davon entfallen in der Regel drei Jahre auf die Basisweiterbildung in der Inneren Medizin und drei weitere Jahre auf die kardiologische Spezialisierung.
Während dieser sechsjährigen Weiterbildungszeit steigen Sie als Assistenzärztin oder Assistenzarzt (Entgeltgruppe Ä1 beziehungsweise I) jedes Jahr automatisch eine Stufe auf. Mit der bestandenen Facharztprüfung wechseln Sie in die Gruppe Ä2 (beziehungsweise II), in der die Sprünge nach dem ersten, vierten, siebten, neunten, elften und dreizehnten Facharztjahr folgen. Den größten finanziellen Sprung im Tarifgefüge machen Sie jedoch nicht durch reines Abwarten der Dienstjahre, sondern durch den Aufstieg auf eine Oberarztstelle (Ä3/III) oder die Position der ständigen Chefarztvertretung (Ä4/IV).
2. Arbeitgeber und Tarif: Klinik, Konzern oder eigene Praxis
Im stationären Bereich konkurrieren kommunale Krankenhäuser, Universitätskliniken, kirchliche Träger (etwa Caritas und Diakonie mit ihren AVR-Richtlinien) und große private Klinikkonzerne wie Helios, Asklepios oder Sana um kardiologisches Fachpersonal. Die Unterschiede bei den Grundgehältern zwischen kommunalen Häusern und Unikliniken sind auf den ersten Blick überschaubar, summieren sich aber über die Jahre,al an Unikliniken eine 42-Stunden- oder 40-Stunden-Woche mit oft zusätzlichem Forschungs- und Lehraufwand gilt.
Position | Kommunale Klinik | Uniklinik |
|---|
Assistenzarzt (1. Jahr) | 5.722 € | 5.793 € |
Assistenzarzt (6. Jahr) | 7.355 € | 7.436 € |
Facharzt (1. Jahr) | 7.552 € | 7.646 € |
Facharzt (13. Jahr) | 9.699 € | 9.577 € |
Oberarzt (1. Jahr) | 9.460 € | 9.577 € |
Leitender Oberarzt (1. Jahr) | 11.128 € | 11.265 € |
Quelle: Tarifverträge TV-Ärzte/VKA (gültig ab Juni 2026) und TV-Ärzte/TdL (gültig ab April 2026).
Ganz anders sieht die Rechnung aus, wenn Sie sich niederlassen oder als Partnerin beziehungsweise Partner in eine kardiologische Gemeinschaftspraxis oder ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einsteigen. Laut der Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis) erzielten Praxen im Fachgebiet Innere Medizin zuletzt durchschnittliche Einnahmen von rund 841.000 € im Jahr. Nach Abzug aller Praxisaufwendungen für Personal, Miete und teure Medizintechnik blieb ein durchschnittlicher Reinertrag von 341.000 € pro Praxis (der Median lag bei 237.000 €).
Gerade kardiologische Schwerpunktpraxen profitieren dabei von einem außergewöhnlich hohen Privatpatientenanteil: Während Praxen der allgemeinen Inneren Medizin nur rund 16 Prozent ihrer Einnahmen über Privatabrechnungen erzielen, stammen in Praxen für Innere Medizin und Kardiologie laut Destatis-Daten 37,1 Prozent der Einnahmen aus Privatabrechnungen und knapp 60 Prozent aus Kassenabrechnungen. Das verschafft niedergelassenen Kardiologinnen und Kardiologen oft ein monatliches Vorsteuereinkommen zwischen 15.000 € und 22.000 €, von dem allerdings noch die eigene Altersvorsorge, Krankenversicherung und eventuelle Praxiskredite bezahlt werden müssen.
Gleichzeitig stehen sowohl Kliniken als auch Praxen unter wirtschaftlichem Druck. Wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in einer offiziellen Stellungnahme gegenüber dem Bundesministerium für Gesundheit betont, fressen steigende Betriebskosten einen Teil der Zuwächse wieder auf:
Insbesondere die Kosten für qualifiziertes Personal, Energie, Digitalisierung und Medizintechnik steigen demgegenüber erheblich schneller als die Grundlohnrate.
— Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK), Stellungnahme zur Vergütungsentwicklung, 2026
3. Region: Wo wird in Deutschland am besten gezahlt?
Da die Tarifverträge des Marburger Bundes für kommunale Kliniken und Universitätskliniken bundesweit einheitlich gelten, verdient eine Assistenzärztin in Rostock auf dem Papier exakt dasselbe Grundgehalt wie ihr Kollege in München oder Frankfurt am Main. Bei den Grundgehältern im Krankenhaus gibt es somit kaum ein Ost-West- oder Nord-Süd-Gefälle.
Regionale Unterschiede zeigen sich erst ab der Oberarztebene sowie im ambulanten Sektor:
Ländliche Regionen und kleinere Kliniken: Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung in strukturschwachen Regionen – etwa in Teilen Ostdeutschlands, im ländlichen Bayern oder in Nordhessen – haben oft große Mühe, erfahrene Fach- und Oberärzte für den Herzkatheter-Hintergrunddienst zu finden. Hier sind außertarifliche Zulagen, Einstiegsprämien oder bezahlte Fortbildungstage deutlich leichter verhandelbar als in beliebten Universitätsstädten.
Wohlhabende Ballungsräume für Niedergelassene: In der eigenen Praxis kehrt sich dieser Effekt um. In kaufkraftstarken Regionen wie dem Großraum München, Stuttgart, dem Rhein-Main-Gebiet oder Hamburg ist die Dichte an privat Versicherten und Selbstzahlern für präventive kardiologische Check-ups deutlich höher, was den Praxisgewinn spürbar steigert.
4. Spezialisierung im Beruf: Zusatzqualifikationen und Verdienst
Die Kardiologie hat sich in den vergangenen Jahren technisch enorm weiterentwickelt. Wer nach dem Facharzttitel nicht stehen bleibt, sondern sich über die zertifizierten Curricula der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) weiterqualifiziert, macht sich für Kliniken nahezu unersetzlich. Für diese DGK-Zusatzqualifikationen müssen Sie als bereits anerkannte Fachärztin oder anerkannter Facharzt an einer zertifizierten Stätte meist 15 bis 24 Monate lang spezifische Prozeduren in einem Logbuch nachweisen.
Besonders lukrativ sind die invasiven Schwerpunkte, weil Kliniken über komplexe Eingriffe (DRG-Fallpauschalen) hohe Erlöse erzielen und die Rufbereitschaftsdienste im Herzkatheterlabor hoch vergütet werden:
Spezialisierung | Qualifikationsweg | Monatsgehalt |
|---|
Nicht-invasive Kardiologie (Basis) | Facharztprüfung (6 Jahre) | 7.550 – 9.700 € |
Herzinsuffizienz | DGK-Curriculum | 8.500 – 10.500 € |
Kardiale Magnetresonanztomografie (CMR) | DGK-Curriculum / Zusatzweiterbildung | 8.800 – 11.000 € |
Spezielle Rhythmologie | DGK-Curriculum (15 bis 24 Monate) | 9.500 – 13.500 € |
Interventionelle Kardiologie | DGK-Curriculum (24 Monate) | 9.800 – 14.000+ € |
Quelle: Eigene Auswertung basierend auf TV-Ärzte-Oberarztstufen, Rufbereitschaftspauschalen für Katheterdienste und außertariflichen Sektionsleiter-Verträgen 2026.
Wer die Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie (Stent-Implantationen, strukturelle Herzerkrankungen wie TAVI oder Mitralklappen-Interventionen) oder Spezielle Rhythmologie (invasive Elektrophysiologie, Katheterablationen und komplexe Schrittmacher- oder Defibrillator-Implantationen) vorweisen kann, rückt fast immer auf eine Oberarzt- oder Sektionsleiterstelle vor. Auf diesen Positionen werden häufig außertarifliche Verträge oder Beteiligungen an den Privatliquidationen der Abteilung ausgehandelt, wodurch das Kardiologengehalt die Marke von 12.000 € bis 14.000 € im Monat überschreitet.
Wie können Sie Ihr Gehalt als Kardiologin oder Kardiologe erhöhen?
Auch wenn Tarifverträge im Krankenhaus auf den ersten Blick starr wirken, haben Sie als Fachkraft in einem absoluten Mangelberuf großen Verhandlungsspielraum. Mit diesen vier Schritten holen Sie finanziell mehr aus Ihrer Qualifikation heraus:
Invasive DGK-Zertifikate erwerben: Achten Sie schon gegen Ende Ihrer Assistenzarztzeit darauf, an einer Klinik zu arbeiten, die als Qualifizierungsstätte der DGK für Interventionelle Kardiologie oder Spezielle Rhythmologie zugelassen ist. Wer selbstständig Koronarinterventionen im 24/7-Herzinfarkt-Netzwerk oder Ablationen durchführen kann, verhandelt bei jedem Stellenwechsel aus einer Position der Stärke.
Poolbeteiligung und außertarifliche Verträge als Oberarzt nutzen: Geben Sie sich bei der Beförderung zur Oberärztin oder zum Oberarzt (insbesondere mit eigener Sektion wie Echolabor, Schrittmacherambulanz oder Elektrophysiologie) nicht automatisch mit dem reinen Tabellenentgelt der Gruppe Ä3 zufrieden. Verhandeln Sie eine feste Beteiligung an den wahlärztlichen Einnahmen (Privatpool) des Chefarztes oder lassen Sie sich direkt einen außertariflichen Vertrag (AT-Vertrag) mit Zielvereinbarungen geben.
Honorararzttätigkeit und Praxisvertretungen: Erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte für Kardiologie sind in der Arbeitnehmerüberlassung und als Vertretungsärzte extrem gefragt. Für Wochenenddienste, Urlaubsvertretungen in Praxen oder befristete Einsätze in Kliniken werden Stundensätze von 100 € bis 140 € (im Hintergrunddienst mit Katheterbereitschaft teils pauschal noch mehr) gezahlt.
Wechsel in die Pharmaindustrie oder Medizintechnik: Wenn Sie den Schicht- und Nachtdiensten den Rücken kehren möchten, bieten Hersteller von Herzschrittmachern, Herzklappen oder kardiologischen Medikamenten hochdotierte Alternativen. Als Medical Advisor oder Medical Science Liaison Manager (MSL) starten Kardiologinnen und Kardiologen meist bei 110.000 € bis 140.000 € Jahresgehalt inklusive Firmenwagen und Aktienpaketen.
Aufgaben, Weiterbildungsweg und Zukunftsaussichten
Der Alltag in der Kardiologie verbindet präzise Diagnostik mit schnellem Handeln im Notfall. Zum täglichen Handwerk gehören Ruhe-, Belastungs- und Langzeit-EKGs, die transthorakale und transösophageale Echokardiografie (Herzultraschall), die Programmierung von Herzschrittmachern und Defibrillatoren sowie die Arbeit im Herzkatheterlabor. Der Weg dorthin führt über das sechsjährige Studium der Humanmedizin, die Approbation und die anschließende sechsjährige Facharztweiterbildung für Innere Medizin und Kardiologie gemäß der Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer.
Die beruflichen und finanziellen Aussichten für Kardiologinnen und Kardiologen gehören auch über 2026 hinaus zu den sichersten im gesamten Gesundheitswesen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache und nehmen durch den demografischen Wandel weiter zu. Gleichzeitig verschiebt die Krankenhausreform viele diagnostische Eingriffe in den ambulanten und intersektoralen Bereich, während spezialisierte Herzzentren wachsen. Ob in der Klinikleitung oder in der eigenen Praxis: Qualifizierte Herzmedizinerinnen und Herzmediziner können sich ihre Stellen aussuchen und ihre Gehaltsvorstellungen selbstbewusst durchsetzen.
Quellen und Datengrundlage
Alle Gehaltsangaben in diesem Beitrag stützen sich auf offizielle und überprüfbare Primärquellen aus dem deutschen Gesundheitswesen. Die Daten für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte stammen aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit für die Berufsgruppe der Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie. Die Tarifzahlen für das Jahr 2026 basieren auf den offiziellen Entgelttabellen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL). Die Umsätze, Privatabrechnungsquoten und Reinerträge niedergelassener Praxen sind der Kostenstrukturstatistik für Arztpraxen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) entnommen, ergänzt durch die Weiterbildungscurricula der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).